News aus dem PENADER und vom Joven Esperanza e.V.

Julius meldet sich dirket aus Bolivien:

Die ersten beiden Wochen durfte ich an dem Alltag des PENADERs teilhaben. Ich habe einige Kinder wieder gesehen, die schon bei meinem letzten Aufenthalt 2015 Teil des PENADERs waren und natürlich habe ich auch viele neue Kinder kennengelernt. Auch das Team der Betreuer ist etwas neu. So sind in den letzten zwei Jahren zwei ehemalige „PENADER- Kinder“ in das Team eingestiegen, die schon das Vorgängerprojekt besuchten, als ich 2011 das erste Mal hier war. Beide studieren und arbeiten nebenbei halbtags im PENADER. Das ist eine schöne gegenseitige Unterstützung. 

Vor etwa drei Wochen wurde in Bolivien gewählt. Der Präsident ließ sich für eine 4. Amtszeit aufstellen, obwohl dies nach bolivianischem Recht nicht möglich war. Mehr als drei Amtszeiten darf der Präsident nicht hintereinander regieren. Ein Referendum, um dieses Gesetz aufzulösen, hatte Evo Morales Anfang letzten Jahres verloren. Um trotzdem antreten zu können, erklärte das korrupte oberste Gericht das Gesetz kurzerhand für nicht rechtens und ermöglichte Morales eine weitere Amtszeit. So war die Stimmung schon vor der Wahl angespannt. Nach der ersten Hochrechnung der Wahl sah es so aus, als würde es ziemlich sicher eine Stichwahl im Dezember brauchen. Dann wurde die Stimmenauszählung für 24 Stunden gestoppt. Es tauchten Videos auf von Wahlurnen, die ausgetauscht oder verbrannt wurden. Als die Auszählung fortgesetzt wurde, hatte Morales plötzlich einen unerklärlichen Stimmenzuwachs erfahren, sodass er nun offiziell zum Sieger erklärt wurde und es keine Stichwahl geben wird. 

Seitdem steht das Leben hier quasi still. Die Bolivianer wehren sich gegen das Wahlergebnis und fordern Neuwahlen. Der Verkehr ist die meiste Zeit durch Straßensperren lahmgelegt. Es wird gestreikt. Die Schulen bleiben geschlossen. In vielen Städten kommt es zu heftigen Ausschreitungen und Straßenkämpfen. Hier in Camiri ist es zum Glück friedlich. Aber auch hier bleiben die Schulen geschlossen, sodass das PENADER nun auch schon seit einer Woche nicht geöffnet hat. Die Mitarbeiter würden nachmittags nicht nach Hause kommen, weil dann die Straßensperren wieder aufgebaut sind. 

Für mich ist es somit etwas zäh die letzten Tage. Ich war gezwungen, meinen Tatendrang etwas zu entschleunigen. Ich habe die Zeit genutzt, um ein großes Anliegen von mir anzugehen: Ich habe ein webbasiertes Programm namens NINOX gefunden, mit dem ich eine Datenbank gebaut habe. Ninox stellt uns das Programm netterweise kostenlos zur Verfügung. Mit diesem Programm wollen wir Daten über die Kinder sammeln und auswerten. In erster Linie soll es dabei helfen die Bedürfnisse der Kinder schneller zu erkennen. Des Weiteren wird es uns helfen, die Wirkung des PENADERs nachzuweisen und festzuhalten, wo die Gründe liegen, wenn ein Kind aus dem PENADER austritt – ist es gesundheitsbedingt?, weil es umgezogen ist?, weil es arbeiten muss, um die Familie zu unterstützen?… Somit wollen wir vermeiden, dass es viele Austritte aus dem PENADER gibt. Ziel ist ja, dass die Kinder möglichst bis zum Schulabschluss ins Projekt kommen, um mit dem Bildungsabschluss eine Chance auf ein besseres Leben haben. 

Außerdem werden wir Daten über die Gesundheit der Kinder sammeln. Wir orientieren uns dabei an den bolivianischen Vorsorgeprogrammen. Wir haben das regionale Gesundheitszentrum besucht, welches hier quasi das Äquivalent zum deutschen Hausarzt ist. Der Leiter dieses Zentrums hat uns erzählt, dass die Vorsorgeprogramme für die Jugendlichen hier in Camiri nicht durchgeführt werden. Als Grund nennt er in erster Linie Personalmangel (er ist z.B. für die medizinische Grundversorgung von über 7.000 Einwohnern zuständig und hat dabei Unterstützung von zwei Krankenschwestern), Geldmangel und Mangel an Medikamenten.  Wir wollen nun versuchen im PENADER diese Lücken zu füllen. Wir haben eine Krankenschwester in Ausbildung angestellt, die einen halben Tag in der Woche für uns arbeiten wird. Sie wird die Gewichts- und Wachstumskontrollen durchführen, Hausbesuche machen und weitere medizinische Daten der Kinder sammeln. Mit dem regionalem Gesundheitszentrum haben wir nun eine Zusammenarbeit  in Fällen von schwereren Krankheiten und fehlenden Impfungen vereinbart. 

Nebenbei haben wir die Tage für einige Besprechungen mit dem gesamten Team genutzt. Wir haben eine Evaluation dieses Jahres durchgeführt und sowohl kurzfristige als auch langfristige Ziele festgehalten.  Ein Wochenende haben wir genutzt, um das Haus zu putzen, kleinere Reparaturen durchzuführen und das Bad der Kinder zu renovieren. 

Für mich beginnt nun ein vierwöchiges Praktikum in Tarija. Im Dezember werde ich aber noch einmal für zehn Tage nach Bolivien zurückkehren. Bis dahin ist hoffentlich wieder Alltag eingekehrt. Ich freue mich darauf, dann nochmal Zeit mit den Kindern zu verbringen.

Liebe Grüße aus Bolivien, Julius

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