Freiwillige im Projekt PENADER

Marisa in Bolivien September 2019

Wie ihr bereits gehört habt, war Marisa auch dieses Jahr wieder für einen Monat im Projekt. Zunächst hat sie sich einen Überblick verschafft und – wie immer – überall mitgeholfen, wo Hilfe gebraucht wurde. So hat sie unter anderem Ideen und Anstöße für ein „plastikfreies“ Projekt gesucht, was in Bolivien gar nicht so einfach ist, an einem umfangreicherem Freizeitangebot mit den Lehrkräften gearbeitet und eine halbjährliche Zahnkontrolle durch Zahnmedizinstudenten eingeführt. Besonders gefreut hat uns, dass sie wieder von einer guten Zusammenarbeit und vielen bekannten sowie neuen, vor allem aber fröhlichen Kindern im Projekt berichtet hat. Erneut kommt sie zu dem Schluss: „Ich bin sehr froh, Teil dieses tollen Projekts zu sein und danke allen Mitgliedern und Freunden für ihre Unterstützung!“

Besuch von Julius in Camiri

Direkt am 7. Oktober folgte der Besuch von Julius, unserem Vorstandsvorsitzenden. Er wird erstmal vier Wochen im PENADER sein und dieses als Sozialpraktikum für sein Medizinstudium nutzen und im Dezember – nach einem weiteren Praktikum in Tarija –  für zehn Tage ins PENADER zurückkehren. Er hat sich einerseits zur Aufgabe gemacht, die angestoßenen Projekte von Marisa weiterzuführen und dafür zu sorgen, dass diese nachhaltig umgesetzt werden. Andererseits möchte Julius das Projekt vor allem im administrativen Bereich weiterentwickeln und einen langfristigen Zukunftsplan mit dem Team vor Ort erstellen: Was sind die Vorstellungen der bolivianischen Leitung des PENADERs, was sind die Vorstellungen und Schwerpunkte auf Seiten Joven Esperanza e.V? Ziel ist es, einen langfristigen gemeinsamen Weg zu erarbeiten um irgendwann große Ziele zu verwirklichen, wie einen Hauskauf und den Aufbau von Kooperationen mit regionalen Institutionen, um die Kinder nachhaltig und ganzheitlich in ihrer Entwicklung unterstützen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt wird sein, ein Konzept der Datenerhebung über die verschiedenen Förderungsangebote des PENADERs zu erarbeiten. Es sollen Daten über die Entwicklung und Zustände der Kinder in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Familienumfeld erhoben werden. Anhand dieser Daten wollen wir zum einen erarbeiten, wo Probleme der Kinder liegen und wie wir diesen entgegenwirken können, zum anderen wird es uns so möglich sein, die Wirkung des Projektes nachzuweisen.

News aus dem PENADER und vom Joven Esperanza e.V.

Julius meldet sich dirket aus Bolivien:

Die ersten beiden Wochen durfte ich an dem Alltag des PENADERs teilhaben. Ich habe einige Kinder wieder gesehen, die schon bei meinem letzten Aufenthalt 2015 Teil des PENADERs waren und natürlich habe ich auch viele neue Kinder kennengelernt. Auch das Team der Betreuer ist etwas neu. So sind in den letzten zwei Jahren zwei ehemalige „PENADER- Kinder“ in das Team eingestiegen, die schon das Vorgängerprojekt besuchten, als ich 2011 das erste Mal hier war. Beide studieren und arbeiten nebenbei halbtags im PENADER. Das ist eine schöne gegenseitige Unterstützung. 

Vor etwa drei Wochen wurde in Bolivien gewählt. Der Präsident ließ sich für eine 4. Amtszeit aufstellen, obwohl dies nach bolivianischem Recht nicht möglich war. Mehr als drei Amtszeiten darf der Präsident nicht hintereinander regieren. Ein Referendum, um dieses Gesetz aufzulösen, hatte Evo Morales Anfang letzten Jahres verloren. Um trotzdem antreten zu können, erklärte das korrupte oberste Gericht das Gesetz kurzerhand für nicht rechtens und ermöglichte Morales eine weitere Amtszeit. So war die Stimmung schon vor der Wahl angespannt. Nach der ersten Hochrechnung der Wahl sah es so aus, als würde es ziemlich sicher eine Stichwahl im Dezember brauchen. Dann wurde die Stimmenauszählung für 24 Stunden gestoppt. Es tauchten Videos auf von Wahlurnen, die ausgetauscht oder verbrannt wurden. Als die Auszählung fortgesetzt wurde, hatte Morales plötzlich einen unerklärlichen Stimmenzuwachs erfahren, sodass er nun offiziell zum Sieger erklärt wurde und es keine Stichwahl geben wird. 

Seitdem steht das Leben hier quasi still. Die Bolivianer wehren sich gegen das Wahlergebnis und fordern Neuwahlen. Der Verkehr ist die meiste Zeit durch Straßensperren lahmgelegt. Es wird gestreikt. Die Schulen bleiben geschlossen. In vielen Städten kommt es zu heftigen Ausschreitungen und Straßenkämpfen. Hier in Camiri ist es zum Glück friedlich. Aber auch hier bleiben die Schulen geschlossen, sodass das PENADER nun auch schon seit einer Woche nicht geöffnet hat. Die Mitarbeiter würden nachmittags nicht nach Hause kommen, weil dann die Straßensperren wieder aufgebaut sind. 

Für mich ist es somit etwas zäh die letzten Tage. Ich war gezwungen, meinen Tatendrang etwas zu entschleunigen. Ich habe die Zeit genutzt, um ein großes Anliegen von mir anzugehen: Ich habe ein webbasiertes Programm namens NINOX gefunden, mit dem ich eine Datenbank gebaut habe. Ninox stellt uns das Programm netterweise kostenlos zur Verfügung. Mit diesem Programm wollen wir Daten über die Kinder sammeln und auswerten. In erster Linie soll es dabei helfen die Bedürfnisse der Kinder schneller zu erkennen. Des Weiteren wird es uns helfen, die Wirkung des PENADERs nachzuweisen und festzuhalten, wo die Gründe liegen, wenn ein Kind aus dem PENADER austritt – ist es gesundheitsbedingt?, weil es umgezogen ist?, weil es arbeiten muss, um die Familie zu unterstützen?… Somit wollen wir vermeiden, dass es viele Austritte aus dem PENADER gibt. Ziel ist ja, dass die Kinder möglichst bis zum Schulabschluss ins Projekt kommen, um mit dem Bildungsabschluss eine Chance auf ein besseres Leben haben. 

Außerdem werden wir Daten über die Gesundheit der Kinder sammeln. Wir orientieren uns dabei an den bolivianischen Vorsorgeprogrammen. Wir haben das regionale Gesundheitszentrum besucht, welches hier quasi das Äquivalent zum deutschen Hausarzt ist. Der Leiter dieses Zentrums hat uns erzählt, dass die Vorsorgeprogramme für die Jugendlichen hier in Camiri nicht durchgeführt werden. Als Grund nennt er in erster Linie Personalmangel (er ist z.B. für die medizinische Grundversorgung von über 7.000 Einwohnern zuständig und hat dabei Unterstützung von zwei Krankenschwestern), Geldmangel und Mangel an Medikamenten.  Wir wollen nun versuchen im PENADER diese Lücken zu füllen. Wir haben eine Krankenschwester in Ausbildung angestellt, die einen halben Tag in der Woche für uns arbeiten wird. Sie wird die Gewichts- und Wachstumskontrollen durchführen, Hausbesuche machen und weitere medizinische Daten der Kinder sammeln. Mit dem regionalem Gesundheitszentrum haben wir nun eine Zusammenarbeit  in Fällen von schwereren Krankheiten und fehlenden Impfungen vereinbart. 

Nebenbei haben wir die Tage für einige Besprechungen mit dem gesamten Team genutzt. Wir haben eine Evaluation dieses Jahres durchgeführt und sowohl kurzfristige als auch langfristige Ziele festgehalten.  Ein Wochenende haben wir genutzt, um das Haus zu putzen, kleinere Reparaturen durchzuführen und das Bad der Kinder zu renovieren. 

Für mich beginnt nun ein vierwöchiges Praktikum in Tarija. Im Dezember werde ich aber noch einmal für zehn Tage nach Bolivien zurückkehren. Bis dahin ist hoffentlich wieder Alltag eingekehrt. Ich freue mich darauf, dann nochmal Zeit mit den Kindern zu verbringen.

Liebe Grüße aus Bolivien, Julius

News aus dem PENADER und vom Joven Esperanza e.V.

Gastgeberin Imke erzählt von unserem dritten Sommerfest:

„Unser 3. Joven Esperanza Sommerfest starteten wir in diesem Jahr am 7. September bei gnädigem Wetter in Hamburg am Röötberg.  Am Abend vorher haben wir zusammen mit Jojo, Annette, Rike und Lutz unserem eher skandinavischen Haus einen bolivianischen Touch verpasst mit Girlanden in Landesfarben, gewebten Tischläufern und vielen Fotos aus dem Projekt. Für die Zukunft aller Feste sei angemerkt, dass wir inzwischen auf einen reichhaltigen Dekofundus zurückgreifen können. Das nervöse Gefühl bei uns als Gastgeber, ob nun sieben  oder 70 Gäste kommen werden, hat sich dabei in eine gelassene „es kütt wie et kütt“-Stimmung verwandelt. Es pendelte sich dann auch in der Spitze bei ca. 65  Mitgliedern und interessierten Freunden ein. Nach lebhaften Diskussionen, wo der Beamer für die Projektpräsentation von Jojo und Julius stehen sollte und welche Wand die am besten geeignete sein sollte, einigten wir uns auf den Kamin und alle hatten eine komfortable Sicht. Das Beste war die Live-Schaltung mit Marisa, die gerade in Camiri vor Ort war. So gewannen besonders die „Neulinge“ einen anschaulichen Eindruck vom PENADER & den Lebensumständen der Kinder und einige haben die Chance genutzt, viele Fragen zu stellen und sich intensiv zu informieren. Am Buffet mit (mitgebrachten) südamerikanischen Köstlichkeiten und dem bewährten Riesentopf Chili sin carne von Friederike klang das Fest so langsam aus. Jojo und Julius haben ganze Arbeit geleistet, denn der Abend endete mit acht neuen Mitgliedern und einigen mehr, die noch über eine Spende nachdenken. Das ruft doch nach Wiederholung! Es hat Spaß gemacht!“         

 Noch einmal vielen lieben Dank an die Gastgeber und  Organisatoren! 

News aus dem PENADER und vom Joven Esperanza e.V.

Erik ist unser neuer Freiwilliger und berichtet hier von seinen ersten Eindrücken im PENADER:

Mein Name ist Erik und ich bin zur Zeit Freiwilliger im PENADER in Camiri. Nach meinem Abitur und einer Ausbildung bin ich seit Dezember 2018 in Südamerika und nun seit knapp einen Monat in Camiri. Ich hatte Glück, dass mir in meiner Südamerika-Planung Marisa, Joven Esperanza und das PENADER vorgestellt wurden. Joven Esperanza hat mir die Möglichkeit gegeben, einen dreimonatigen Aufenthalt in Camiri flexibel in meine Reise einzubauen.

Die Arbeit im Projekt ist sehr vielfältig und macht mir großen Spaß. Die Hauptaufgabe liegt darin, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen. Nachdem ich in Deutschland schon eine Zeit lang Flüchtlingen bei den Hausaufgaben geholfen habe, ist es auf spanisch nochmal eine ganz besondere Herausforderung. Nach den Hausaufgaben wird je nach Wetter und Lust der Kinder oft eine Runde Fußball oder Halli Galli gespielt. Ich freue mich auf die kommenden 2 Monate im Projekt und werde mich in der nächsten Zeit nochmal mit einem Bericht über meine Arbeit melden.

Diesen Monat konnte unser neu eingerichteter Notfalltopf gleich einem Kind in einem wirklichen Notfall helfen: José hatte einen Blinddarm-durchbruch und musste umgehend operiert werden. Direkt übernahmen wir 90% der Kosten und boten der Familie an, die übrigen 10% ebenfalls auszulegen, die sie dann im Laufe der nächsten Monate selbst erwirtschaften können. So startete auch das PENADER augenblicklich mit Kuchenverkäufen und weiteren Aktionen. Das Wichtigste aber ist, dass José die OP gut überstanden hat und es ihm schon wieder viel besser geht. 

News aus dem PENADER und vom Joven Esperanza e.V.

Wie jedes Jahr wurde am 12. April der „Tag der Kinder“ in Bolivien gefeiert. Für die Mädchen und Jungen im Projekt ist dies ein ganz besonderer Tag: IHR Tag, an dem sie tatsächlich einfach Kind sein und Spaß haben dürfen. Seit vielen Jahren besteht durch Micaela (Gründungsmitglied des PENADERS – einige kennen sie von der Mitgliederversammlung) eine Kooperation mit Studenten der Universität in Santa Cruz. Sie sorgen am „Tag der Kinder“ für ein buntes Rahmenprogramm aus diversen Spielen, Musik, selbstgebastelten Kostümen, leckerem Essen und kleinen Geschenken. Fast alle Kinder kamen schon um 8 Uhr ins PENADER und verbrachten zusammen einen tollen Tag! Aber seht selbst J

Diese Unterstützung von den Studenten in Santa Cruz freut uns sehr. In ärmeren Städten wie Camiri sind die Menschen besonders aufeinander angewiesen und helfen sich gegenseitig so gut sie können. So bekommt das PENADER zum Beispiel immer wieder Essensspenden von einzelnen Marktständen oder es kommen Nachbarn mit Schulmaterialien vorbei. Letzte Woche hat eine Gruppe von Frauen ehrenamtlich allen Kindern im Projekt die Haare geschnitten – ein kleiner „Luxus“, den sich die Familien sonst nicht leisten können.

Besonders aufregend war für die Kinder natürlich auch die Ankunft von unserer neuenFreiwilligen aus Deutschland! Noémie ist nun schon über einen Monat in Camiri und hat sich gut eingelebt. Im Anhang stellt sie sich und ihre ersten Eindrücke vor; bald folgt Genaueres von ihrer Arbeit im Projekt J

Jojo’s Zeit im PENADER

Die letzten Tage sind wie im Flug vergangen und ich kann selber kaum glauben, dass meine drei Monate in Camiri nun vorbei sind.

Inzwischen sind die Englisch und Deutschkurse fast in den Alltag integriert und die Kinder wissen genau, an welchen Tagen sie welches Fach erwartet.Doch aller Anfang war auch schwer: in Bolivien funktioniert alles etwas langsamer und man benötigt Geduld.Dennoch entwickelte sich bei vielen Kindern ein Interesse, es wurde nach Worten und Bedeutung von Songtexten gefragt und inzwischen sprechen sie stolz erste Worte und Sätze, singen „Head, shoulders, knees and toes“ oder „Shape of you“. Auch auf Deutsch wird man nun gerne begrüßt und bekommt ein „Danke“, „Ja“ oder „Nein“ zur Antwort.

Natürlich sind das kleine Erfolge, aber zumindest haben viele Kinder so den Zugang zu Fremdsprachen bekommen und eine Motivation entwickelt. Das war für mich der erste wichtige Schritt!:)

Auch auf dem Sportplatz mussten erst einmal – für die bolivianischen Kinder ganz neue – Sozialregeln eingeführt werden, aber am Ende der Stunde kamen alle mit strahlenden, roten Gesichtern zurück. Nun kennen sie viele weitere Spiele aus Deutschland und „Eckenfußball“ ist sogar zum absoluten Lieblingsspiel geworden. Es hat mich selber sehr glücklich gemacht, zu beobachten, wie viel Spaß sie beim Sport, im Team oder auch beim Lernen hatten und ihre Fortschritte zu sehen.

Luise, eine weitere Freiwillige, die noch bis Juli bleibt, wird meine Kurse nun weiterführen und dann an den nächsten Freiwilligen übergeben, sodass nichts in Vergessenheit gerät und hoffentlich sogar auf dem Gelernten aufgebaut werden kann. Dasselbe gilt für alle weiteren (wieder)gestarteten Projekte, wie Mülltrennung und Gartenarbeit. 

Meiner Meinung nach ist das PENADER eine fantastische Institution und in einem Land wie Bolivien unfassbar wichtig. Den Kindern wird – gerade dadurch, dass das Centro ein „zweites Zuhause“ für sie darstellt – tatsächlich eine Chance für eine bessere Zukunft gegeben.

Jetzt möchte ich aber erst einmal DANKE sagen: DANKE, dass ich für eine Zeit Teil dieses großartigen Projektes und Teil des bolivianischen Lebens sein durfte, DANKE für die Unterstützung von Joven Esperanza und ganz besonders Marisa und DANKE für viele, viele Glücksmomente mit den Kindern.

Jojo

Soziales Praktikum im PENADER

Sofie (23), Lars (21) und Matthias (25) studieren Soziale Arbeit in Berlin. Sie sind letztes Jahr an uns herangetreten, um im PENADER ein sechswöchiges Praktikum absolvieren zu können. Anfang Februar werden sie ihre Reise antreten.

Während ihrer Zeit ihrer Zeit in Camiri werden sie die Arbeit des Teams tatkräftig unterstützen. Sie werden im Rahmen der interkulturellen Zusammenarbeit Gelegenheit haben mit dem bolivianischen Team pädagogisches Fachwissen und Erfahrungen auszutauschen. Außerdem wollen sie die Lebensumstände der Familien und die sozialen Strukturen kennen lernen.

Mit ihrer Rückkehr nach Deutschland ist für die drei Studenten der Einsatz aber noch nicht beendet. Ein Semester lang werden sie sich intensiv mit Fundraising beschäftigen und Spendengelder für das Projekt akquirieren. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit in diesem Bereich.

Wir wünschen Sofie, Lars und Matthias alles Gute auf ihrer Reise und für die Zeit im Projekt.