Onlineunterricht für die Kinder & erste Impfungen für die Erzieher im PENADER

Neben dem weiterhin bestehenden Mittagsessen-Angebot, das nach wie vor täglich über 200 Personen aus der Nachbarschaft nutzen, kommen inzwischen ca. 40 Kinder ins Projekt, um von dort aus am Onlineunterricht teilzunehmen. Darüber hinaus unterstützen und motivieren die Erzieher die Kinder bei der Bearbeitung der Aufgaben, wiederholen und üben mit ihnen wichtige Inhalte, die pandemiebedingt auf der Strecke geblieben sind. Jeder Erzieher ist für eine kleine Anzahl an Kindern zuständig, sodass ein persönlicher Kontakt besteht und es zu überschaubaren Kontakten kommt. Dadurch, dass aufgrund des Wechselunterrichts einige Kinder am Vormittag, andere am Nachmittag kommen, ist es möglich, größere Menschenansammlungen zu vermeiden, und auch die Hygienemaßnahmen und Trennwände sorgen für einen recht sicheren Umgang. Ohne das PENADER hätten die meisten „unserer“ Kinder keine Möglichkeit, am Fernunterricht teilzunehmen, da nur wenige Familien aus den armen Stadtteilen Camiris über die nötigen technischen Geräte, Strom oder gar einen WLAN-Anschluss verfügen. So haben sie – genau wie andere Kinder – aber weiterhin die Möglichkeit, zu lernen und einen Schulabschluss anzustreben und sie erleben auch wieder die Gemeinschaft und Freude im Projekt.

Über die lange Zeit, in der es nicht möglich war, in die Schule oder ins PENADER zu kommen, haben allerdings auch einige Kinder nicht nur große Lücken aufgebaut, sondern auch die Motivation zu lernen ist nach so langer Zeit ohne irgendeine Form von Unterricht gesunken. Vor allem die Eltern sehen oft nicht die Notwendigkeit, dass ihre Kinder, sobald sie etwas rechnen und schreiben können, länger in die Schule gehen und unterstützen so auch nicht, dass die Kinder für die Teilnahme am Onlineunterrichts ins PENADER kommen. Durch den persönlichen Kontakt und individuelle Gespräche versuchen die Mitarbeiter des Projekts, die Familien zu überzeugen, doch leider stellt sich das als sehr schwierig heraus. Diese durch Corona verstärkte Problematik trifft auf sehr viele Kinder in armen Länder zu, wie beispielsweise auch Unicef berichtete.

Eine gute Nachricht gibt es aber noch: Letzte Woche traf ein neuer Vorrat an Impfstoffen in Camiri ein. Die Menschen – und so auch unsere Mitarbeiter vor Ort – stellten sich schon um 5 Uhr morgens in lange Schlangen. Das gesamte PENADER-Team hat nun entweder die AstraZeneca-Erstimpfung oder die Johnson & Johnson-Impfung erhalten! Auch wenn die Kinder in Bolivien wohl erst einmal nicht geimpft werden, ermöglicht die Impfung des Teams zumindest unseren Mitarbeitern ein etwas unbesorgteres Arbeiten. Insgesamt steigt die Hoffnung in Bolivien: die dritte Welle klingt langsam ab (aktuell beträgt die 7-Tage-Inzidenz 45,4) und 19,8% der Bevölkerung haben inzwischen ihre Erstimpfung bekommen, 6,82% sind durchgeimpft. Mit weiteren Impfungen kann hoffentlich nach und nach ein Rückkehr zur Normalität und vor allem auch an die Schulen und Universitäten ermöglicht werden. Bis dahin versucht das Team vor Ort, die Kinder und deren Familie bestmöglich aufzufangen…

Endlich wieder Lernen im PENADER

Fast ein Jahr fand coronabedingt kein Unterricht für die Kinder in Camiri statt. Da die Kinder ihr eigenes Grundstück über Monate gar nicht verlassen durften und die Schulen geschlossen hatten, war kein Präsenzunterricht möglich, und auch ein Fernunterricht mit Arbeitsaufträgen etc. kam lange nicht zustande. Die Menschen hatten schlicht und ergreifend auch größere Sorgen…

Nachdem die Grundversorgung der Familien über unsere Essensausgabe gewährleistet war, entwickelte das PENADER gemeinsam mit uns Ideen, wie wir es den Kindern ermöglichen können, zu lernen. Neben dem Bildungsaspekt, der für uns als Bildungsprojekt natürlich eine ganz zentrale Rolle spielt, hielten wir es auch für besonders wichtig, den Kindern eine sinnvolle Beschäftigung zu geben. So entwickelten unsere Pädagogen vor Ort erst Arbeitszettel, dann ganze Arbeitshefte mit diversen Aufgaben, die mehrere Fächer abdeckten und gaben diese mit dem Mittagessen an die Familien aus. Sobald es möglich war, besuchten sie auch einige Kinder an deren „Haustüren“. Dabei wurde allerdings schnell klar, dass viele die Hefte nicht einmal angerührt hatten – es fehlte an Motivation und Unterstützung der Erwachsenen! Über die Monate im Lockdown hatten die Kinder sehr viel verlernt, die jüngeren Schüler konnten teilweise nicht einmal mehr ihren Namen schreiben… 

Nach den „Sommerferien“ begann im Februar das neue Schuljahr und nun boten auch die Schulen Fernunterricht mit online Arbeitsaufträgen und Videokonferenzen an. Dies bedeutete für unsere Kinder allerdings keinen Unterschied, denn nur 2% der Familien des PENADERs verfügen über die notwendigen technischen Geräte, WLAN hat niemand. Gleichzeitig stand fest, dass die Kinder aus armen Familien hier komplett abgehängt werden und nicht wenige die Schule damit endgültig abbrechen würden, wenn ihnen keine Möglichkeit, am Onlineunterricht teilzunehmen, sowie die dringend notwendige Unterstützung gegeben wird. 

Insbesondere aufgrund des letzten Punktes entschieden wir uns für eine Option im PENADER selbst: wir verlagerten die Computer des Projekts nach draußen, ließen Kabinen aus Plexiglas anfertigen und besorgten zusätzlich Headphones und Kameras. So konnten – unter den Hygienebestimmungen – zehn online Arbeitsplätze bereitgestellt werden. Hier arbeiten nun seit einigen Wochen jeden Vormittag und Nachmittag Kinder des Projekts und können so am Fernunterricht teilnehmen! Währenddessen die Jugendlichen inzwischen recht wenig Unterstützung von unseren Pädagogen benötigen und sich schnell an die „neue Schule“ gewöhnt haben, ist die individuelle Betreuung der Jüngeren umso wichtiger: an unseren großen Tischen arbeiten die Kleinen nun gemeinsam mit den Pädagogen – selbstverständlich auch im Freien und durch eine Plexiglasscheibe getrennt – an den Schulaufgaben und üben Stück für Stück wieder das, was sie vielleicht schon einmal konnten.

Inzwischen kommen ca. 30 Kinder wieder täglich ins PENADER. Hier haben sie nun die gleichen Möglichkeiten wie andere Kinder ihrer Schulen: sie lernen und sie bekommen die nötige Unterstützung und Aufmerksamkeit – und sogar wieder ein Stück Normalität und Gemeinschaft… 

Alles zur Mitgliederversammlung 2021

Nachdem wir unsere Mitgliederversammlung letztes Jahr aufgrund der ganz neuen Coronasituation recht spontan nur im ganz kleinen Kreis halten konnten, haben wir uns dieses Jahr wieder mit allen bei Zoom „getroffen“. Bei Frühlingswetter kamen viele engagierte Mit-glieder zusammen! Eine Auswahl derjenigen, die sich auch gezeigt haben, seht ihr rechts. Schön, dass ihr da wart! Besonders gefreut hat uns, dass dieses Mal neben unseren treuen Hamburgern viele Mitglieder aus ganz Deutschland und sogar aus der Schweiz dabei sein konnten. Diese Möglichkeit, sich online dazuzuschalten, wollen wir auch in den kommenden Jahren geben – auch, wenn wir uns dann hoffentlich wieder richtig versammeln können. Auch einige Interessierte haben wieder teilgenommen (und teilweise schon parallel ihren Mitgliedsantrag ausgefüllt J). Zuletzt konnten wir in online Gruppenräumen sogar zu unterschiedlichen Themen richtig in den Austausch kommen und neue Ideen entwickeln.

Die Pandemie hat 2020 auch Camiri schwer getroffen und so auch unsere Projektarbeit maßgeblich geprägt…Nachdem das Coronavirus auch in Bolivien bestätigt wurde, durften die Menschen monatelang kaum ihr Grundstück verlassen, unter 18- und über 65-Jährige sogar gar nicht. Dadurch konnten sie auch nicht mehr arbeiten, sodass viele Familien nichts mehr zu essen hatten. Wir sprangen bald mit Lebensmittel-lieferungen ein, was durch die Quarantänebestimmungen allerdings auch nur begrenzt möglich war. So warteten alle sehnlichst auf erste Lockerungen. Unsere Freunde vor Ort nutzen diese Zeit aber auch für die Planung und Vorbereitung einer Essensausgabe für die Kinder des Projekts und die ganze Nachbarschaft. Seit Juli wird täglich für über 200 Personen im PENADER gekocht und mittags stehen knapp 50 Familien vor dem PENADER Schlange, um sich und ihren Familien ein warmes Mittagessen und Brot für abends abzuholen. Unter strengen Hygieneauflagen wurden seitdem schon 28.031 Mittagessen an insgesamt 253 Menschen verteilt. In der Grafik links seht ihr in rot die Anzahl der versorgten Familien und in blau die Anzahl der verteilten Mittagessen. Neben der Versorgung all dieser Menschen war es auch für unsere zwölf MitarbeiterInnen ein großes Glück, weiterhin Arbeit und ein zuverlässiges Gehalt  zu haben. Momentan sind wir dabei, die Bildungsmöglichkeiten auszubauen. Fast ein Jahr lang herrschte Stillstand in den bolivianischen Schulen, doch nun beginnt langsam ein Fernunterricht. 

Bei der Wahl des Vorstandes wurden erneut Julius Knierer zum Vorstandsvorsitzenden, Marisa Amaya Rudilla zur stellvertretenden Vorsitzenden und Johanna Gewand zur Schatzmeisterin gewählt. Ebenfalls wiedergewählt wurde unser erweiterter Vorstand, bestehend aus Alexander Maywurm, Marie Claes, Teresa Kückmann, Lutz Kirsten und Joshin Rose. Wir freuen uns außerdem, dass nun auch Natalie Sell, die sich ebenfalls seit vielen Jahren für Joven Esperanza einsetzt, in den erweiterten Vorstand gewählt wurde. Herzlichen Dank für euer Vertrauen!                                                                             Wir blicken – mit eurer Unterstützung – zuversichtlich ins Jahr 2021 und hoffen sehr, euch bei der nächsten Mitgliederversammlung wieder von Kinderlachen, gemeinsamem Lernen, Essen und Spielen im PENADER berichten zu können… Bis dahin halten wir euch natürlich auf dem Laufenden!

Weihnachtsrundmail 2020

Dieses Jahr war für uns alle ein besonderes mit ganz neuen Herausforderungen…

Die Corona-Krise hat auch Bolivien sehr schwer getroffen. Anders als bei uns gibt es dort aber kaum staatliche Hilfe, sodass viele Menschen, die durch die Quarantäneregelungen beispielsweise nicht mehr arbeiten gehen können, ihre Familien nicht mehr ernähren können. Das PENADER hat auf unterschiedlichen Wegen versucht, „unsere“ Familien zu versorgen: nach ersten Lieferungen während der Ausgangssperre wird nun seit einem halben Jahr im Projekt für alle eingeschriebenen Kinder und deren Familien sowie viele weitere Menschen aus der Nachbarschaft gekocht. Diese kostenlose Essensausgabe ist für für viele im Dorf die einzige Mahlzeit am Tag und somit eine unbeschreiblich große Hilfe. In den letzten Monaten haben bis zu 40 Familien fünf Tage die Woche ein warmes Mittagessen abgeholt. So konnten knapp 250 Menschen mit einem täglichen Mittagessen versorgt und neun Mitarbeitern des PENADERs der Job gesichert werden. Seit Anfang Juli hat das PENADER 22.594 Mittagessen verteilt. Wir danken euch im Namen der bolivianischen Familien von Herzen, dass ihr das möglich macht!

Da auch die Schulen seit April geschlossen sind und es kein Homeschooling o.Ä. gibt, versuchen wir neben der Versorgung der Familien auch, Bildungsangebote für die Kinder in Form von Aufgabenheften etc. zu schaffen. Diesen so wichtigen Aspekt wollen wir im neuen Jahr noch weiter ausbauen, damit die Kinder nicht ganz aus der Übung kommen, bis die Schulen und das PENADER wieder öffnen dürfen… 

Damit du dir einen genaueren Überblick über die Situation in Camiri in diesem Jahr verschaffen kannst, haben wir ein Video zusammengestellt. Dieses findest du in unserem neuen, browserbasierten Vereinsverwaltungs-Programm „easyVerein„. Es handelt sich um ein professionelles Programm für die Vereinsverwaltung. Deine Daten sind hier sicher aufgehoben und du hast sogar deinen eigenen Mitgliedszugang, über den du unsere Veranstaltungen und freigestellte Dateien findest. Hierfür hast du gestern (evtl. im SPAM?) eine Mail bekommen, um dir ein Passwort einzurichten. Unter „Dateien“ gelangst du dann zum Video, alternativ kannst du es aber auch über YouTube aufrufen: https://www.youtube.com/watch?v=dqyhh2WNJSQ&feature=youtu.be. Solltest du Fragen zur Anwendung deines Mitgliedszugangs haben, melde dich gern bei uns.  

Aufgrund der aktuellen Situation wird die Mitgliederversammlung im kommenden Jahr auch online stattfinden. Merke dir gerne schon einmal Sonntag, den 21.02.2021 ab 15 Uhr vor. Die offizielle Einladung mit Hinweisen zur digitalen Durchführung folgt im Januar.

Jetzt wünschen wir dir und deiner Familie erst einmal eine fröhliche und besinnliche Weihnachtszeit und ein glückliches und vor allem gesundes neues Jahr!

DANKE FÜR ALLES und herzliche Grüße

Julius, Marisa und Jojo

News aus dem PENADER und vom Joven Esperanza e.V.

Viele Menschen in Bolivien haben in der Corona-Zeit besonders große Sorgen und Existenzängste. Durch die Ausgangssperre, die lediglich den 18- bis 65-jährigen erlaubte, an einem Tag pro Woche für fünf Stunden das „Haus“ zu verlassen, konnten die  Erwachsenen in der Regel nach wie vor nicht arbeiten und auch unsere Kinder nicht ins PENADER kommen. Wir stehen in diesen Wochen besonders eng mit dem Vorstand vor Ort in Kontakt und versuchen in Videokonferenzen und Telefonaten stetig, neue Ideen und Möglichkeiten zur Unterstützung der Kinder und ihrer Familien zu finden und umzusetzen.  Es ist wirklich schön zu sehen, wie viel Einsatz und Engagement Gabi, Moises und Joaquin hierbei zeigen.

Damit ihr euch besser vorstellen könnt, wie der Alltag in Bolivien momentan aussieht und vor welchen akuten Problemen die Menschen aktuell stehen, hat Marisa Kontakt zu einer ehemaligen Freiwilligen aufgenommen. Sophie ist Deutsche, lebt und arbeitet aber seit Jahren als Lehrerin in Santa Cruz. In einem 10-minütigen Video berichtet sie direkt aus der bolivianischen Quarantäne für euch. Geht, um dieses Video anzusehen, bis zum 17.07.2020 – so lange ist es abrufbar – auf folgenden Link: https://we.tl/t-imhr3Jeo7i

Leider bekamen wir nicht die nötigen Genehmigungen, um die Familien unserer Kinder wie geplant regelmäßig mit Lebensmitteln zu beliefern. Zwar wurden diese teilweise über andere Organisationen versorgt, deren Hilfe war jedoch nicht zuverlässig und oft auch nicht umsonst, sodass viele inzwischen deutlich unterernährt sind. Umso mehr hofften die Familien sowie Mitarbeiter des PENADERs also auf erste Lockerungen der Ausgangs-beschränkungen. Diese Woche wurden diese dann endlich für Camiri beschlossen! Direkt wurden Großeinkäufe getätigt sowie im PENADER unter Berücksichtigung der strengen Corona-Regelungen eine Versorgungsstelle aufgebaut. Hier können die Familien und Freude unserer Kinder sich nun jeden Tag für die ganze Familie ein warmes Mittagessen abholen. Rund 200 Personen können so täglich versorgt werden! Am Dienstag kamen bereits weit über 100 und bedankten sich für die „große Hilfe, die jetzt besonders wichtig ist“. Zudem arbeiten die Lehrer des Projektes aktuell an Schulmaterialienfür die Kinder, damit diese trotz der Schulschließungen ein wenig lernen und auch eine Beschäftigung haben. Ihre Aufgaben können ihre Eltern dann bei der Versorgungsstation abgeben, sodass unsere Profes ihnen beim nächsten Mal eine Rückmeldung für die Kinder mitgeben können.

Die Corona Krise ist in Bolivien angekommen

Auch wenn das Virus zum Glück noch nicht in Camiri nachgewiesen wurde, steht das Leben dort bereits still. Aufgrund der katastrophalen medizinischen Versorgung – es gibt beispielsweise in der ganzen Stadt kein einziges Beatmungsgerät – wird mit drastischen Maßnahmen versucht, das wohl Unvermeidliche zu verhindern. So dürfen die Erwachsenen nur noch einmal die Woche für fünf Stunden ihr „Haus“ verlassen, die Kinder überhaupt nicht mehr. Das bedeutet für die Familien etwas ganz anderes als für uns in Deutschland: auf wenigen Quadratmetern lebt eine Großfamilie, die hygienischen Bedingungen sind schlecht, die wenigsten Hütten verfügen über fließendes Wasser und an „Homeschooling“, geschweige denn Internet oder andere derartige Möglichkeiten, sich die Langeweile zu vertreiben, ist nicht einmal zu denken. Vor allem können die meisten Eltern durch diese Ausgangssperre aber auch nicht mehr arbeiten gehen. In so armen Familien gibt es keine Rücklagen, nur durch z.B. täglichen Brotverkauf können sie ihre eigene Nahrung bezahlen. Jetzt haben sie aber weder die Zutaten noch die Möglichkeit etwas zu verkaufen. Das bedeutet, dass sie nun schlicht und ergreifend nichts mehr zu essen haben. 

Da das PENADER ebenfalls nicht mehr öffnen durfte, mussten wir uns eine andere Möglichkeit überlegen, um die Versorgung unserer Kinder zu gewährleisten… Nach Rücksprache mit uns beantragten die Mitarbeiter vor Ort direkt weitere Zeiten, um die Familien des PENADERs mit Lebensmitteln zu beliefern – und bekamen diese Gott sei Dank genehmigt! Sofort wurden Reis, Eier, Kartoffeln, Mehl etc. besorgt und anschließend in Pakete abgefüllt und zu den Familien gebracht. Die Dankbarkeit und Erleichterung war sehr groß! So soll es Woche für Woche weitergehen, bis die Ausgangssperre wieder gelockert wird und die Eltern wieder arbeiten können. Alle 30 Familien unserer Kinder können wir so – zumindest notdürftig – versorgen. Das ist für viele die letzte Rettung, da die Unterstützung des Staates zunächst umständlich beantragt werden muss und dann auch nicht ausreicht…

DANKE, dass ihr das möglich macht!!! Neben den Kindern ist Joven Esperanza auch für unsere Mitarbeiter ein großes Glück: sie sind einige der wenigen Bolivianer, die sich keine Sorgen um ihren Lohn und somit die Versorgung ihrer Familien machen müssen. Gemeinsam müssen wir nun versuchen, diese sehr schwierige Zeit dort zu überbrücken und Alternativen zu unserer regulären Unterstützung zu finden – mit dem wohl wichtigsten Schritt haben wir diese Woche begonnen…  

Freiwillige im Projekt PENADER

Marisa in Bolivien September 2019

Wie ihr bereits gehört habt, war Marisa auch dieses Jahr wieder für einen Monat im Projekt. Zunächst hat sie sich einen Überblick verschafft und – wie immer – überall mitgeholfen, wo Hilfe gebraucht wurde. So hat sie unter anderem Ideen und Anstöße für ein „plastikfreies“ Projekt gesucht, was in Bolivien gar nicht so einfach ist, an einem umfangreicherem Freizeitangebot mit den Lehrkräften gearbeitet und eine halbjährliche Zahnkontrolle durch Zahnmedizinstudenten eingeführt. Besonders gefreut hat uns, dass sie wieder von einer guten Zusammenarbeit und vielen bekannten sowie neuen, vor allem aber fröhlichen Kindern im Projekt berichtet hat. Erneut kommt sie zu dem Schluss: „Ich bin sehr froh, Teil dieses tollen Projekts zu sein und danke allen Mitgliedern und Freunden für ihre Unterstützung!“

Besuch von Julius in Camiri

Direkt am 7. Oktober folgte der Besuch von Julius, unserem Vorstandsvorsitzenden. Er wird erstmal vier Wochen im PENADER sein und dieses als Sozialpraktikum für sein Medizinstudium nutzen und im Dezember – nach einem weiteren Praktikum in Tarija –  für zehn Tage ins PENADER zurückkehren. Er hat sich einerseits zur Aufgabe gemacht, die angestoßenen Projekte von Marisa weiterzuführen und dafür zu sorgen, dass diese nachhaltig umgesetzt werden. Andererseits möchte Julius das Projekt vor allem im administrativen Bereich weiterentwickeln und einen langfristigen Zukunftsplan mit dem Team vor Ort erstellen: Was sind die Vorstellungen der bolivianischen Leitung des PENADERs, was sind die Vorstellungen und Schwerpunkte auf Seiten Joven Esperanza e.V? Ziel ist es, einen langfristigen gemeinsamen Weg zu erarbeiten um irgendwann große Ziele zu verwirklichen, wie einen Hauskauf und den Aufbau von Kooperationen mit regionalen Institutionen, um die Kinder nachhaltig und ganzheitlich in ihrer Entwicklung unterstützen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt wird sein, ein Konzept der Datenerhebung über die verschiedenen Förderungsangebote des PENADERs zu erarbeiten. Es sollen Daten über die Entwicklung und Zustände der Kinder in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Familienumfeld erhoben werden. Anhand dieser Daten wollen wir zum einen erarbeiten, wo Probleme der Kinder liegen und wie wir diesen entgegenwirken können, zum anderen wird es uns so möglich sein, die Wirkung des Projektes nachzuweisen.

News aus dem PENADER und vom Joven Esperanza e.V.

Julius meldet sich dirket aus Bolivien:

Die ersten beiden Wochen durfte ich an dem Alltag des PENADERs teilhaben. Ich habe einige Kinder wieder gesehen, die schon bei meinem letzten Aufenthalt 2015 Teil des PENADERs waren und natürlich habe ich auch viele neue Kinder kennengelernt. Auch das Team der Betreuer ist etwas neu. So sind in den letzten zwei Jahren zwei ehemalige „PENADER- Kinder“ in das Team eingestiegen, die schon das Vorgängerprojekt besuchten, als ich 2011 das erste Mal hier war. Beide studieren und arbeiten nebenbei halbtags im PENADER. Das ist eine schöne gegenseitige Unterstützung. 

Vor etwa drei Wochen wurde in Bolivien gewählt. Der Präsident ließ sich für eine 4. Amtszeit aufstellen, obwohl dies nach bolivianischem Recht nicht möglich war. Mehr als drei Amtszeiten darf der Präsident nicht hintereinander regieren. Ein Referendum, um dieses Gesetz aufzulösen, hatte Evo Morales Anfang letzten Jahres verloren. Um trotzdem antreten zu können, erklärte das korrupte oberste Gericht das Gesetz kurzerhand für nicht rechtens und ermöglichte Morales eine weitere Amtszeit. So war die Stimmung schon vor der Wahl angespannt. Nach der ersten Hochrechnung der Wahl sah es so aus, als würde es ziemlich sicher eine Stichwahl im Dezember brauchen. Dann wurde die Stimmenauszählung für 24 Stunden gestoppt. Es tauchten Videos auf von Wahlurnen, die ausgetauscht oder verbrannt wurden. Als die Auszählung fortgesetzt wurde, hatte Morales plötzlich einen unerklärlichen Stimmenzuwachs erfahren, sodass er nun offiziell zum Sieger erklärt wurde und es keine Stichwahl geben wird. 

Seitdem steht das Leben hier quasi still. Die Bolivianer wehren sich gegen das Wahlergebnis und fordern Neuwahlen. Der Verkehr ist die meiste Zeit durch Straßensperren lahmgelegt. Es wird gestreikt. Die Schulen bleiben geschlossen. In vielen Städten kommt es zu heftigen Ausschreitungen und Straßenkämpfen. Hier in Camiri ist es zum Glück friedlich. Aber auch hier bleiben die Schulen geschlossen, sodass das PENADER nun auch schon seit einer Woche nicht geöffnet hat. Die Mitarbeiter würden nachmittags nicht nach Hause kommen, weil dann die Straßensperren wieder aufgebaut sind. 

Für mich ist es somit etwas zäh die letzten Tage. Ich war gezwungen, meinen Tatendrang etwas zu entschleunigen. Ich habe die Zeit genutzt, um ein großes Anliegen von mir anzugehen: Ich habe ein webbasiertes Programm namens NINOX gefunden, mit dem ich eine Datenbank gebaut habe. Ninox stellt uns das Programm netterweise kostenlos zur Verfügung. Mit diesem Programm wollen wir Daten über die Kinder sammeln und auswerten. In erster Linie soll es dabei helfen die Bedürfnisse der Kinder schneller zu erkennen. Des Weiteren wird es uns helfen, die Wirkung des PENADERs nachzuweisen und festzuhalten, wo die Gründe liegen, wenn ein Kind aus dem PENADER austritt – ist es gesundheitsbedingt?, weil es umgezogen ist?, weil es arbeiten muss, um die Familie zu unterstützen?… Somit wollen wir vermeiden, dass es viele Austritte aus dem PENADER gibt. Ziel ist ja, dass die Kinder möglichst bis zum Schulabschluss ins Projekt kommen, um mit dem Bildungsabschluss eine Chance auf ein besseres Leben haben. 

Außerdem werden wir Daten über die Gesundheit der Kinder sammeln. Wir orientieren uns dabei an den bolivianischen Vorsorgeprogrammen. Wir haben das regionale Gesundheitszentrum besucht, welches hier quasi das Äquivalent zum deutschen Hausarzt ist. Der Leiter dieses Zentrums hat uns erzählt, dass die Vorsorgeprogramme für die Jugendlichen hier in Camiri nicht durchgeführt werden. Als Grund nennt er in erster Linie Personalmangel (er ist z.B. für die medizinische Grundversorgung von über 7.000 Einwohnern zuständig und hat dabei Unterstützung von zwei Krankenschwestern), Geldmangel und Mangel an Medikamenten.  Wir wollen nun versuchen im PENADER diese Lücken zu füllen. Wir haben eine Krankenschwester in Ausbildung angestellt, die einen halben Tag in der Woche für uns arbeiten wird. Sie wird die Gewichts- und Wachstumskontrollen durchführen, Hausbesuche machen und weitere medizinische Daten der Kinder sammeln. Mit dem regionalem Gesundheitszentrum haben wir nun eine Zusammenarbeit  in Fällen von schwereren Krankheiten und fehlenden Impfungen vereinbart. 

Nebenbei haben wir die Tage für einige Besprechungen mit dem gesamten Team genutzt. Wir haben eine Evaluation dieses Jahres durchgeführt und sowohl kurzfristige als auch langfristige Ziele festgehalten.  Ein Wochenende haben wir genutzt, um das Haus zu putzen, kleinere Reparaturen durchzuführen und das Bad der Kinder zu renovieren. 

Für mich beginnt nun ein vierwöchiges Praktikum in Tarija. Im Dezember werde ich aber noch einmal für zehn Tage nach Bolivien zurückkehren. Bis dahin ist hoffentlich wieder Alltag eingekehrt. Ich freue mich darauf, dann nochmal Zeit mit den Kindern zu verbringen.

Liebe Grüße aus Bolivien, Julius

News aus dem PENADER und vom Joven Esperanza e.V.

Gastgeberin Imke erzählt von unserem dritten Sommerfest:

„Unser 3. Joven Esperanza Sommerfest starteten wir in diesem Jahr am 7. September bei gnädigem Wetter in Hamburg am Röötberg.  Am Abend vorher haben wir zusammen mit Jojo, Annette, Rike und Lutz unserem eher skandinavischen Haus einen bolivianischen Touch verpasst mit Girlanden in Landesfarben, gewebten Tischläufern und vielen Fotos aus dem Projekt. Für die Zukunft aller Feste sei angemerkt, dass wir inzwischen auf einen reichhaltigen Dekofundus zurückgreifen können. Das nervöse Gefühl bei uns als Gastgeber, ob nun sieben  oder 70 Gäste kommen werden, hat sich dabei in eine gelassene „es kütt wie et kütt“-Stimmung verwandelt. Es pendelte sich dann auch in der Spitze bei ca. 65  Mitgliedern und interessierten Freunden ein. Nach lebhaften Diskussionen, wo der Beamer für die Projektpräsentation von Jojo und Julius stehen sollte und welche Wand die am besten geeignete sein sollte, einigten wir uns auf den Kamin und alle hatten eine komfortable Sicht. Das Beste war die Live-Schaltung mit Marisa, die gerade in Camiri vor Ort war. So gewannen besonders die „Neulinge“ einen anschaulichen Eindruck vom PENADER & den Lebensumständen der Kinder und einige haben die Chance genutzt, viele Fragen zu stellen und sich intensiv zu informieren. Am Buffet mit (mitgebrachten) südamerikanischen Köstlichkeiten und dem bewährten Riesentopf Chili sin carne von Friederike klang das Fest so langsam aus. Jojo und Julius haben ganze Arbeit geleistet, denn der Abend endete mit acht neuen Mitgliedern und einigen mehr, die noch über eine Spende nachdenken. Das ruft doch nach Wiederholung! Es hat Spaß gemacht!“         

 Noch einmal vielen lieben Dank an die Gastgeber und  Organisatoren!